Brief an unseren Freunde

1. Mai 2011

Liebe Freunde,

Diesen Winter haben gewöhnliche Sorgen, die uns nacheinander getroffen haben, Reiz und Überraschung in den Ablauf unserer eintönigen Tage gebracht. Ein Bruder hat sich während der Arbeit verletzt, verbrachte drei Wochen im Krankenhaus und ging danach ein paar Wochen an Krücken. Der Subprior musste mehrfach ins Krankenhaus wegen einer Infektion, die zunächst ernst schien, dann nicht mehr, die jedoch immer noch nicht klar identifiziert wurde. Andere Brüder bedurften einer beständigen Unterstützung… Wie jeder von Ihnen, der mit ähnlichen Bedingungen konfrontiert ist, haben wir den Sturm vorbeiziehen lassen und jedem gegeben, was er brauchte, ohne dass deshalb unser Gemeinschaftsleben erschüttert worden wäre. Im Gegenteil. Jede Sache nahm den ihr zukommenden Platz ein und so wurden die banalen Unannehmlichkeiten entschärft. Eine befreundete Familie, ein Nachbar wurden ihrerseits mit der Krankheit konfrontiert, viel schlimmer als wir. So hatten wir das Gefühl, ihnen näher zu stehen, auch wenn jeder allein der Prüfung gegenübersteht. Gott sei Dank nicht ganz allein. Daraufhin ist der Frühling eingezogen. Schon am Aschermittwoch war der Schnee verschwunden und die Außenarbeiten konnten früher als gewohnt wiederbeginnen.

Seit meinem letzten Brief haben wir die Ordensgelübde von Bruder Lev (8. Dezember) gefeiert, der allmählich fähig wird, sich um Postulanten und Novizen zu kümmern. Am 12. Dezember haben wir in Sept-Fons und am 2. Februar in Nový Dvůr die dreißigjährigen Jubiläen des Abtes und des Novizemeisters unseres Mutterhauses gefeiert. Dreißig Jahre: Da waren die Jüngsten unserer beiden Gemeinschaften noch lange nicht geboren; für sie war das gestern! Am ersten Vespergottesdienst des Josefstags haben wir unsere Orgel geweiht, die schon lange fertig war, der jedoch noch die Verkleidung fehlte. Unser Organist, Bruder Bruno, bereitet sich darauf vor, im Juli seine Ordensgelübde abzulegen. Am 4. April kam unser Bischof mit seinen Priestern in unser Kloster, genau wie letztes Jahr. Ich habe eine Vorlesung gehalten, die Sie – auf Französisch und Tschechisch – auf unserer Website finden (falls Sie sie per Post erhalten möchten, schreiben Sie uns bitte). Am 9. April haben wir diskret den hundertsten Jahrestag der Geburt des spanischen Trappisten Rafael Arnáiz Barón gefeiert. Er ist der Schutzheilige von Bruder Rafael, der am 21. März seine zeitliche Profess in Nový Dvůr abgelegt hat. Kurze Tagesabrisse, die genügen, um den Rahmen unserer letzten Monate aufzustellen. Was die Zukunft betrifft: Am 2. Juni werden in Sept-Fons Bruder Hieronymus und Bruder Anton geweiht, danach, am 19., Bruder André und Bruder Joseph in Nový Dvůr. Je ein Priester und ein Diakon für jede Gemeinschaft. Die Liste der Einkleidungen und Professe von Sept-Fons zu machen, wäre – Gott sei Dank – zu lang!

Seit über dreizehn Jahren schreibe ich Ihnen schon, drei oder vier Mal im Jahr, um Ihnen Neuigkeiten zu geben und Sie um Geld zu bitten, wenn Sie dies können. Ist das gerecht? Dank Ihnen und vielen anderen wurde Nový Dvůr nicht nur gebaut, sondern mit Leben erfüllt. Sept-Fons konnte seine Kirche renovieren und mit den unerlässlichen Unterhaltsarbeiten beginnen. Eine weitere Gemeinschaft am anderen Ende der Welt, die unter sehr prekären Bedingungen lebt, renoviert bescheiden eine Ruine und lebt dank Ihrer Unterstützung. Die Mönche verdienen ihren Lebensunterhalt, können jedoch nicht auf die Großzügigkeit der Christen verzichten. Das war schon immer so. Ein Ausschnitt in diesem Brief gibt Ihnen präzise Informationen zu unseren Baustellen. Falls Sie uns nicht unterstützen können oder falls Ihre Spenden an andere gehen, schmälert das in nichts unsere Dankbarkeit. Ich hoffe, dass es auch Ihr Interesse an dem, was wir erleben, nicht mindert.

Als vorsichtiger Mensch schafft es unser Buchhalter, Pater Augustin, fast jeden Monat einen Teil der Einnahmen aus unserer Arbeit zurückzulegen, um den Bau unserer Werkstätten zu finanzieren, der im Frühjahr 2012 beginnen dürfte. Die Verspätung hat zwei Gründe: die Bescheidenheit unserer Mittel und der Flächennutzungsplan unserer Gemeinde, auf dessen Zustimmung wir noch warten.

Zwei vorbereitende Baustellen, die unsere finanziellen Möglichkeiten übersteigen, müssen dieses Jahr eröffnet werden. Zunächst die Zufahrtswege, die erst die Baustellenfahrzeuge und später die Auslieferer bis zur Verladerampe führen. Sie werden der Hangneigung folgen, damit die Brüder im Winter nicht gezwungen sind, jede Woche ein paar Lieferwagen aus dem Straßengraben zu bergen. Danach unser Teich, der als Löschwasserreserve für das Kloster und als Wasserreserve für die Tiere und den Garten dient, wenn der Sommer trocken ist. Er wird vom auf den Dächern gesammelten Regenwasser gespeist, läuft aber aus (sehe unser Plan) und verteilt dieses Wasser auf den Wiesen. Bruder André hat vor, mit unserem Löffelbagger einen Teil der Erdarbeiten selbst zu übernehmen. Die Unternehmen müssen jedoch auch Hand anlegen und die Preise sind recht entmutigend.

Umgestaltung des Teichs: 11.000 € (die von uns durchgeführten Arbeiten stellen 9.000 € dar).

Anlegung der Zufahrtswege: 144.000 €. Diese Kosten sind beträchtlich. Die für LKWs stabil genug ausgelegte Straße muss um den Gästetrakt herum, am Hang des Hügels und am Teich entlang führen und im Osten ankommen, wo das Gebäude unserer Werkstätten stehen wird, nahe am Kloster und für die Brüder gut zugänglich. Wir hoffen die Arbeit am 7. Juli nächst an zu fangen.

Wozu dienen Mönche? Die Menschheit entwickelt sich, wenn jeder Einzelne seine menschliche und geistliche Dimension erreicht. Schwierigkeiten, die jeder Existenz Los sind, lassen uns manchmal hilflos dastehen. Das Gebet ändert alles. Es nimmt uns die Prüfung nicht ab, aber es ermöglicht uns, ihr vertrauensvoll entgegenzusehen und darin, im Grunde, das Glück zu finden. Johanna Franziska von Chantal – letzten Dezember wurde das vierte Jahrhundert des Ordens der Heimsuchung gefeiert – sprach in dieser Art von einer „Pflicht“, glücklich zu sein. Welch schöne Formulierung! Unser Gebet ist auf geheimnisvolle Weise weit über die Klostermauern hinweg wirksam, auch wenn wir meistens seine Wirkungen nicht kennen.

Sie werden länger als gewöhnlich auf meinen nächsten Brief warten müssen. Der September wird mich zusammen mit dem Pater Abt von Sept-Fons zum Generalkapitel unseres Ordens nach Assisi führen. Ich werde Ihnen nach meiner Rückkehr schreiben. Vielleicht kann ich Ihnen dann gute Nachrichten bringen.

Als Huldigung für den großen Glaubensmann habe ich diesen Brief mit dem Datum versehen, an dem Papst Johannes-Paul II. selig gesprochen wird.

Vielen Dank, liebe Freunde, Ihre Briefe, Ihr Gebet, Ihre Großzügigkeit und Ihre Freundschaft sind für uns wertvoll. Wir schließen Sie in unsere Gebete ein.

Br. M. Samuel, Prior




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Feier der Kirchweihe von Nový Dvůr am 2. September 2012
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